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Börsencrash Festival – 2009
16.10.2009 – Die Börse/ Wuppertal
MOB RULES I
POWERWOLFI The NEW BLACK I MOTORJESUS I THE MYSTERY I REBATTERED
Zum vierten Mal nun gab es in der Börse in Wuppertal musikalisch melodischen Rock und Metal auf die Ohren. Aus Organisationsgründen mussten die Veranstalter auf einen Freitag ausweichen, was wohl auch dazu führte, dass nur wenige Fans den Weg nach Wuppertal wagten. Dabei war bei diesem hochklassigen Billing eigentlich mehr Interesse seitens der Besucher zu erwarten. So knubbelten sich am Ende nicht mehr als 300 Fans in der Wuppertaler Börse und feierten ausgelassen ein hochwertiges Festival bei fairen Getränkepreisen, toller Organsisation und gutem Sound. RebatteredStop. Steht im Vorwort nicht „melodischer Rock und Metal“? Mitnichten, denn leider mussten die eigentlich geplanten Festivaleröffner Without Wax krankheitsbedingt passen. Da so schnell kein Ersatz gefunden werden konnte, sprang die Combo des Soundmanns ein. Und Rebattered schredderten gleich zu Beginn ein derartiges Thrashbrett durch die Katakomben, dass so mancher Anwesende sich fast an der Kohlenhydratbrause verschluckte. Zwiespältige Angelegenheit, ganz eindeutig, waren doch durch die Bank alle Musikliebhaber nicht auf derart harte Töne eingestellt. Und nicht wenige waren glücklich darüber, dass Rebattered wenn schon als Ersatz auch gleich als erstes spielten, so konnten doch viele die Gelegenheit nutzen, sich noch im Vorraum mit Kaltgetränken einzudecken, Bekannte und Freunde zu begrüßen und alles andere zu erledigen, was man für wichtig erachtete. Zu Unrecht wurde dadurch Wuppertals Abrisskommando abgestraft, denn tight und ohne Kompromisse wurden die Songs durch die Kupferkabel gejagt, auf dass die Boxen glühten und der Schweiß zumindest auf der Bühne in Massen strömte. Das starke „Wheel Of Misfortune“ oder das wohl von Machine Head beeinflußte „Comatorium“ sind wahre Thrashhämmer und würden jedem anderen Festival bestens zu Gesicht stehen, doch beim Börsencrash konnten sich nur wenige wirklich am Sound erwärmen. Tolle Band, reservierte Gäste. Setlist:
The MysteryErster melodischer Höhepunkt waren dann The Mystery. Neben der perfekten Organisation dieses Festivals legten sie auch einen weiteren überzeugenden Auftritt hin. Die souveräne Sängerin „Tante“ Korry hatte gar den jüngsten Fanclub vor Ort – schön, wenn die Familie so mitzieht. Die Halle füllte sich zusehends, die Theke wurde ein einsamer Ort und verwahrloste fast, denn die bisher gut 200 anwesenden Fans wollten sich The Mystery nicht entgehen lassen. Die Band war gut aufgelegt, Korry gut bei Stimme, und Auf-Der-Bühne-Trage-Ich-Immer-Sonnenbrille-Verfechter Alex posierte, als wäre heute die letzte Möglichkeit dazu. Aber das beste Posing nützt bekanntlich nichts, wenn nicht auch die Songs funtionieren. Das hochmelodische und eingängige „World Downfall“ bildete gleich auch einen ersten richtigen Höhepunkt, und die Fans kickten die aufgeblasene Weltkugel quer durch den Saal und zur Bühne zurück. Aber egal, was heute gespielt wurde, das griffige, mit schönem Refrain ausgestattete „Soulcatcher“ oder das mit süßer Rache spielende „Vengeance Is Mine“, alle Songs wurden von den Fans gut aufgenommen und begeistert mitgesungen. Und einen perfekteren Abschluss als mit der Bandhymne „Judas Betrayed“ konnten The Mystery nicht finden. Wie oben schon beschrieben: ein weiterer überzeugender Auftritt. Setlist:
MotorjesusWas nun folgte, kann man schon als kleines Phänomen bezeichnen. Motorjesus rockten das Haus, und damit wäre dieser Part auch schon beendet. Dabei hatte sich die Band schon fast selbst ins Abseits gestellt, denn die zahlreichen Besetzungswechsel waren bei den Fans von außen betrachtet nicht immer nachvollziehbar. Weiterhin haben sie schon lange kein neues Material am Start. Mittlerweile haben sich Motorjesus gefunden und zusammen ein paar mitreißende Gigs gespielt. Mit „Dirty Pounding Gasoline“ wurde die heutige Runde eingeläutet, und von der ersten Note an wurden sie abgefeiert. Voller Spielfreude zockten die Mönchengladbacher munter drauflos, und je mehr die Band auf der Bühne Gas gab, desto mehr wurden die TänzerInnen vor der Bühne angefeuert, noch mehr zu geben, die Harre zu schütteln, die Pommesgabeln gen Hallendecke zu strecken. Selbst der neue, Bruce Lee inspirierte Track „Fist Of The Dragon“ wurde begeistert aufgenommen und mitgesungen. Nicht wenige waren eindeutig wegen Motorjesus nach Wuppertal gereist, das wurde mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher. Selbst Unbedarfte konnten sich kaum der Magie und dem Rhythmusfeuer des motorjesus’schen Liedgutes erwehren, viel zu gut funktionieren die Songs auf CD und auf der Bühne. Als Schmankerl hatte die Band einige neue Songs für wenig Geld auf eine CD-EP gebannt und war innerhalb von Minuten ausverkauft. Auch der Merch-Verkauf konnte sich sehen lassen. Fazit: Eine weitere Motorjesus-Lehrstunde für Heavyrock-Anhänger, welche den Süchtigen neuen Stoff bot und weitere Fans infizierte. Setlist:
The New BlackBei The New Black waren die Erwartungen hoch, denn die Band hatte ja schon eine erfolgreiche Tour im Vorgramm von Volbeat mit mehreren tausend Zuschauern bestritten. Um es vorwegzunehmen: The New Black hatten keinen guten Tag erwischt. Spielerisch war eigentlich alles im grünen Bereich, aber die Soundprobleme bekamen sie nie in den Griff, alles hörte sich um eine Nuance schief und krumm an, was natürlich bei filigranen Stücken doppelt auffällt. Dabei waren diese Probleme noch nicht beim Opener „Why I Burn“ vorhanden, vielmehr tauchten sie immer öfter auf, und wie Gittarist Christof später mitteilte, waren die Saiten ständig durch die Hitze der Strahler verstimmt. Auch Motorjesus hatten schon zu Protokoll gegeben, dass sie nicht einen Song länger auf der Bühne ausgehalten hätten, so heiß sei es gewesen. Davon hatte das Publikum nur rudimentär etwas mitbekommen, höchstens durch das enorme Schweißaufkommen aller beteiligten Musiker. Zurück zu The New Black: Leider konnten sie zu keinem Zeitpunkt die Magie ihrer Songs aufblitzen lassen, dabei sind solch catchy Nummern wie „Simplify“ oder das mitsingbare „Coming Home“ eigentlich die perfekten Tracks fürs Börsencrash Festival. Die Stimmung auf der Bühne war nicht die beste, trotzdem machten alle gute Miene zum bösen Spiel. Haken dran und gut ist, mag man da zurufen, denn dass The New Black es emotionaler und energiegeladener können, bewiesen sie dann wenige Tage später im Vorprogramm von Dragonforce. Setlist:
PowerwolfIn der Retrospektive kann man nur zu dem einen Schluss kommen: Powerwolf waren der eigentliche Headliner an diesem Abend. Das Gedränge vor der Bühne nahm beängstigende Ausmaße an, es wurde geschoben, gedrückt, die Fäuste gereckt, schon bevor die Band die Bühne enterte. Die Bühne war wie gewohnt mit sakralen Elementen geschmückt, einer Kirche nachempfunden, Nebelschwaden waberten und bahnten sich einen Weg über die Bühnenbretter über den Abgrund des Bühnenrandes hinweg. Und weiterhin wie gewohnt segnete Powerlupus Attila mit reichlich Weihrauch die Umgebung, die Zuschauer und ein bisschen auch sich selbst. Eigentlich war es egal, welchen Song Powerwolf anstimmten, alles wurde begeistert aufgenommen und mitgesungen. Das Gedränge vor der Bühne wurde nach und nach noch ein wenig intensiver, und gerade „Raise Your Fist, Evangelist“ wurde mit einer Wand aus hochgereckten Fäusten abgefeiert. Durch die installierten Ventilatoren wurden auch sehr effektvoll die Haare der Gitarristen nach hinten gefönt, so dass die diabolischen Fratzen in schwarz und weiß ihre Wirkung nicht verfehlten. Und wenn Organist Falk mal nicht gerade seinen Finger über die Tasten huschen lies, stand er am Bühnenrand und forderte die Meute auf, doch noch mehr Engagement an den Tag zu legen und nicht nachzulassen. Und weil dieses Anfeuern seitens Powerwolf perfekt gelang, wollten die angetretenen Jünger die Band nicht ohne Zugabe entschwinden lassen. Und sie bekamen nochmals einen letzen Song zum Mitsingen. Das epische und treibende Stück „In Blood We Trust“ setzte einen Schlusspunkt unter einer Show mit hohem Unterhaltungsfaktor, der Power Powerwolfs sei Dank. Setlist:
Mob RulesMob Rules hatten die undankbare Aufgabe erhalten, gegen den einsetzenden Zuschauerschwund ankämpfen zu müssen. Denn direkt nach Powerwolf verließen nicht nur einige die Halle, sondern gingen gleich ganz. Unverständlich, denn der progressive Power Metal gehört eindeutig in den Bundesligabereich, konnte aber zumindest beim Börsencrash nicht für totale Begeisterungsstürme sorgen. Aber Mob Rules gaben alles und erkämpften sich die Sympathie der verbliebenen 200 Fans. Mit gesanglich einwandfreier Leistung imponierte Klaus bei der Interpretation des eigenen Liedguts und auch die balladesken Stücke saßen sauber und frästen sich in die Gehörgänge. Mit dem Einstieg „Children Of The Flames“ wurde ganz mutig ein Stück vom kommenden Album gespielt, ein Track, den noch niemand kannte (oder besser: kennen konnte). So war es kaum verwunderlich, das am häufigsten aus dem Repertoire der letzten beiden Longplayer geschöpft wurde. Und auch wenn die Reaktionen des Publikum eher reserviert wirkten, trumpften und punkteten zumindest beim Verfasser dieser Zeilen Mob Rules mit „Unholy War“ oder dem mit einem Keyboardintro verfeinerten „Hollowed Be Thy Name“. Nun gut, der Tag war lang, viele kamen von der Arbeit gleich zur Börse, und auch der Alkohol floss reichlich. Allerdings hätten die fantastischen Mob Rules mehr Enthusiasmus verdient. Setlist:
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